Schule als Erfahrungsraum

Offene Lernformen sind nicht nur ein Modetrend. Sie sind auch  Anreiz, Selbstverantwortung zu  übernehmen und zu lernen, damit umzugehen.

Bis heute wird der Schule allgemein der Vorwurf gemacht, zu theoretisch und in der Folge zu lebensfremd zu agieren. In vielen Klassenzimmern werde Wissensballast angehäuft, der nicht unbedingt notwendig sei, im späteren Leben zu bestehen. Offener Unterricht orientiert sich im Gegensatz dazu  an lebensnahen und komplexen Inhalten und Problemen und muss daher über das Klassenzimmer hinausgehen.

 

Schüler als Mittelpunkt

 

Im Zentrum des Offenen Lernens stehen Schülerinnen und Schüler im Mittelpunkt. Sie tauschen die Rolle vom „Belehrten“ zum Subjekt eigenen Lernens. Es gilt nicht mehr der Grundsatz, angebotenen Lernstoff lernen zu müssen, sondern das Angebot, Wissen erwerben zu dürfen. Schüler können sich nun nicht mehr auf die ordnende Hand des Lehrers verlassen, sondern lernen selbst unterschiedliche Auffassungen und Handlungsweisen kennen, sie zu akzeptieren oder abzulehnen, aber auch, aufeinander Rücksicht zu nehmen. Viele sehen ein, dass das eigene Handeln Folgen hat und sie für diese Folgen von der Lerngemeinschaft zur Verantwortung gezogen werden können. So lernen sie auch, Regeln aufzustellen, die notwendig sind, um miteinander auszukommen und eigenen Interessen und Bedürfnissen nachgehen zu können.

 

Neues Rollenverständnis des Lehrers

 

Die Lehrerrolle erfährt eine radikale Änderung: Statt zu kontrollieren, ob die Schüler das lernen, was sie lernen sollen, ist der Lehrer hier eher ein Förderer des Lernens, der jedem Schüler hilft, das zu untersuchen, zu beobachten und zu erkennen, was ihn interessiert. Es geht nicht mehr um die Frage, was man noch nicht kann, sondern eher um die positive Sicht dessen, was man bereits herausgefunden hat. Entscheidend dabei ist, dass allein der Lernende über die Intensität und die Richtung dieses ganzheitlichen Lernprozesses bestimmt. Wenngleich der Lehrer den Lernprozess bis zu einem gewissen Grad auch steuern kann, so ist er nicht mehr dessen zentrale Person kraft seines Wissensvorsprunges, sondern ihm obliegt mehr die Rolle des Begleiters und Beraters.

 

Sorgfältige Vorbereitung

 

Soll Offenes Lernen erfolgreich sein, bedarf es einer sinnvollen Vorstrukturierung des Themas und eines Ordnungsgerüstes, das innerhalb der gegebenen Freiheiten eine Orientierung bietet. Zentraler Punkt ist, dass Schülerinnen und Schüler lernen, eigene Lernprozesse selbst zu verantworten und mit dieser Verantwortung auch umgehen können.

 

Quelle: JOLLER – GRAF Klaus(2008) Unterrichtsentwicklung – Wege zum Offenen Unterricht  AREGGER Kurt/ WAIBEL Eva Maria: Offener Unterricht – Das Kind im Mittelpunkt